TIROL
In Konkurrenz zu den Bischöfen von Brixen und Trient, den Grafen von Andechs und anderen hochadeligen Geschlechtern schufen die Grafen von Tirol die territoriale Basis. Ein Görzer, Graf Meinhard II., verklammerte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die verschiedenen Herrschaftsrechte südlich und nördlich des Brenners, schuf mit Geschick, Glück und Gewalt das "Land im Gebirge", die Grafschaft Tirol. Zusammengehalten wurde dieses Land nicht allein von den Landesfürsten. Getragen wurde es auch von den Landständen, seinem Adel, seinen Städten und bäuerlichen Gerichtsgemeinden. Sie entwickelten, über alle sozialen Gegensätze hinweg, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, sie stifteten die Identität des Gemeinwesens. Dies war umso wichtiger, als Tirol wiederholt Ziel geopolitischer Attacken war. Hütete es doch das Tor nach Süden, über seine Gebirgspässe führten wirtschaftlich und militärisch wichtige Straßen und Nachschublinien. Überdies galt Tirol im Spätmittelalter als "reiches" Land, seine (leider nicht unermesslichen) Bergschätze und der Transithandel machten es dazu.
1363 erwarben die Habsburger die Grafschaft Tirol, das damit in die Reihe der österreichischen Erbländer eintrat. Wegen seiner geostrategischen Lage und Finanzkraft, seiner Brückenfunktion für die habsburgischen Besitzungen im Südwesten, den Vorlanden oder Vorderösterreich, wussten die Habsburger Tirol als eines ihrer Kernländer zu schätzen, dem daher ein Sonderstatus eingeräumt wurde. Bis 1665 residierten in Innsbruck meistens eigene Landesfürsten aus dem Hause Habsburg für die Grafschaft Tirol und die Vorlande. Letztere wurden bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts von Innsbruck aus verwaltet und regiert. Mehrmals wurde Tirol mit territorialen Erwerbungen angereichert: um 1500 im Südosten mit der Vorderen Grafschaft Görz, im Süden mit einigen der Republik Venedig abgejagten Gebieten, im Norden mit den bayerischen Landgerichten Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gingen die geistlichen Fürstentümer Brixen und Trient in der Grafschaft Tirol auf, Salzburg hatte seine Territorien im Zillertal, im Brixental und hinteren Iseltal abzutreten.
Bis ins späte 18. Jahrhundert respektierten die Habsburger das, was an Verfassung und Recht in ihrer Grafschaft Tirol gewachsen war, was so ihr und keinem anderem Land eigen war. Erst dann gingen die Habsburger daran, ihre Monarchie, bis dahin ein loser Verbund von Ländern, zu zentralisieren, zu modernisieren und zu vereinheitlichen. Auch Tirol hatte sich in die Rolle eines von Wien aus dirigierten Kronlandes, eines unter vielen, zu fügen. Etwas von seiner früheren Eigenständigkeit sollte es erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückgewinnen, als das Habsburgerreich sich demokratisierte und die mühsam geknüpften zentralistischen Fesseln lockerte. Diesem Land blieb das Trauma einer kurzsichtigen europäischen Nachkriegsordnung nicht erspart, es wurde 1919 staatlich zerrissen. Drei Länder stehen heute in der Tradition Alttirols: Das österreichische Bundesland Tirol, die italienischen autonomen Provinzen Bozen (Südtirol) und Trentino.
Ethnisch, wirtschaftschaftlich und gesellschaftlich war dieses Tirol ein buntes und bewegtes Land, gewiss auch voller Widersprüche und Gegensätze. Jedenfalls blickt Tirol auf eine auf- und anregende Vergangenheit zurück. Dokumentiert sind diese Höhen und Tiefen der Geschichte in einem Archiv, das vorerst als landesfürstliches Schatzarchiv zu Innsbruck firmiert, später als Gubernialarchiv Innsbruck, Statthaltereiarchiv Innsbruck, nach 1919 als Landesregierungsarchiv Innsbruck bezeichnet wird und seit einigen Jahrzehnten als Tiroler Landesarchiv bekannt ist.
Landespatron
Hl. Josef, 19. März
Dem heiligen Josef wird heute in Tirol von Katholiken eine große Verehrung entgegengebracht. Als Patron der Arbeiter, Handwerker, Zimmerleute, Holzhauer, Schreiner, Wagner, Totengräber, Ingenieure, Erzieher, Pioniere, Reisenden, Verbannten und einigen mehr, wurde er mit der Zeit ein volkstümlicher Heiliger.
Er steht in gewissem Sinn für ein einfaches, bescheidenes, durch redliche Arbeit geprägtes Leben. Diese Schlichtheit empfahl ihn ja auch besonders den Bettelorden, die von Reichtum nichts wissen wollten. In den entbehrungsreichen Aufbaujahren nach dem II. Weltkrieg gab sein Vorbild Halt.
Andreas Hofer
Andreas Hofer wurde am 22. November 1767 auf dem Sandhof in der Gemeinde St. Leonhard im Passeiertal (Südtirol) geboren und am 20. Februar 1810 in Mantua erschossen.
Seine Vorfahren stammen aus alten, wappenfähigen, Tiroler Bauern- und Wirtsgeschlechtern. Der Vater Josef (1723 bis 1774), Bauer und Wirt, war der Sohn des Johann Hofer aus St. Leonhard und dessen Frau Maria Pamer. Die Mutter Maria (1733 bis 1770) war die Tochter des Metzgers Josef Aigentler in Matrei am Brenner und der Agnes Kraler.
Er heiratete 1789 in St. Leonhard Anna (1765 bis 1836), die Tochter des Peter Ladurner, Wirt und Bauer in Algund (Südtirol) und der Maria Tschöll. Die beiden hatten einen Sohn und sechs Töchter.
Andreas Hofer musste einen heruntergekommenen Bauernhof mit Gasthaus in die Höhe bringen und war Pferde-, Wein- und Branntweinhändler, wodurch er in ganz Tirol herumkam und zahlreiche Menschen kennen lernte. Er diente im Verlauf der Kämpfe 1796/97 innerhalb Südtirols und war bereits 1797 Hauptmann einer Landsturmkompanie. Seit 1805 war er der Führer zur Vorbereitung einer Erhebung gegen die neue bayerische Herrschaft, hervorgerufen durch Verfolgung der Kirche, die konservative Gesinnung und die wirtschaftliche Not der Tiroler. Im Januar 1809 reiste er zu letzten Vereinbarungen vornehmlich mit Erzherzog Johann nach Wien.
Bereits am 11. April 1809 errang Hofer bei Sterzing einen Sieg über eine kleine bayerische Abteilung und wurde daraufhin vom österreichischen Intendanten Freiherr von Hormayr und vom österreichischen General Marquis Chasteler als Exponent der Anhänger Österreichs sichtlich in den Vordergrund geschoben. Hofer nahm Ende April noch an einem Feldzug im Trentino teil. Während die österreichischen Generale und ihre Truppen im Mai beim ersten Einmarsch eines feindlichen Heeres versagten, stieg Hofer, von einigen hervorragenden Tiroler Anführern beraten, ohne eigenes Dazutun zum Oberkommandanten des Tiroler Volksaufgebotes auf. Im Bergisel-Gelände bei Innsbruck kam es zu einem Gefecht am 25. Mai 1809 und zu einem Sieg am 29. Mai 1809, wobei das Volksaufgebot von einer kleineren Abteilung des österreichischen Heeres unterstürzt wurde.
Hierauf wurde aber Hofer vom zurückkehrenden Intendanten Hormayr und dem österreichischen General von Buol in den Hintergrund gedrängt. Er war offiziell nur mehr Schützenkommandant von Südtirol. Gemäß dem Waffenstillstand von Znaim (12. Juli) musste Österreich Tirol preisgeben. Die österreichische Verwaltung und ihre Truppen zogen ab.
Hofer verstand den Waffenstillstand falsch und glaubte, dass der Feind kein Recht habe, in Tirol einzumarschieren. Deswegen rief er das Volksaufgebot zum Widerstand auf. Er bedrängte ein kleines feindliches Heer vom 6. bis 9. August bei Sterzing schwer und führte das gesammelte Volksaufgebot, diesmal ohne österreichische Truppen, zur siegreichen Bergisel-Schlacht vom 13. August. Es war der Höhepunkt der Erhebung und seines Lebens.
Von der österreichischen Regierung anerkannt, war Hofer vom 15. August bis zum Ende der Erhebung Ende November Regent und Oberkommandant von ganz Tirol. Er führte die Statthalterschaft wohlwollend und redlich. Österreich musste im Friedensschluss vom 14. Oktober wieder auf Tirol verzichten; damit begann die umstrittenste und unglücklichste Lebensperiode Hofers. Fanatiker redeten ihm ein, dass die Nachricht vom Frieden eine Fälschung des Feindes sei. Hofer wechselte vom 29. Oktober bis zum 11. November mehrmals seine Entschlüsse, bald die Unterwerfung unter das Gebot des Feindes, bald weiteren Widerstand befehlend.
Dadurch hat er unwissentlich viel Unglück über das Land gebracht. Hofer selbst wurde am 1. November am Bergisel besiegt und errang am 16. November bei Meran sowie vom 18. bis 22. November in St. Leonhard im Passeiertal noch militärische Erfolge. Hofer musste am 23. November auf die Kellerlahn im Passeier, auf den Pfandlerhof in Oberprantach und endlich in eine Mähderhütte auf der Pfandleralm flüchten. Hofer lehnte aber Aufforderungen ab, aus Tirol zu flüchten.
Von einem Landsmann um Geld verraten, wurde Hofer am 28. Januar 1810 unter unwürdigen Umständen verhaftet und nach Mantua geführt, wo wenige Tage später ein Befehl Napoleons eintraf, dass Hofer binnen 24 Stunden zu erschießen sei. Es spielte keine Rolle, dass Hofer bayerischer Untertan war. So wurde die eilige Gerichtsverhandlung am 19. Februar eine Farce.
Hofer hat am nächsten Tag, durch seine religiöse Haltung bestärkt, mannhaft und in voller Ruhe den Tod erlitten. Er war die beste Verkörperung des Tiroler Bauerntums, allgemein geachtet und beliebt und die einigende und zusammenfassende Kraft der Erhebung Tirols. Nichts lag ihm ferner, als eine Art Diktator zu spielen. Er überließ vieles neidlos seinen zum Teil guten Ratgebern und begabten militärischen Unterführern. Er dachte im konservativen Sinne nur an sein Land Tirol und an Österreich. Hofer ist trotz seiner politischen Fehler und seines persönlichen Misserfolgs das Symbol für den Freiheitswillen eines Volkes geworden, das sich entgegen aller Erwartungen und ohne nennenswerte militärische Hilfe von außen längere Zeit in bewundernswerter Weise gegen moderne Armeen behauptet hat.
Landeshymne
1. Strophe
Zu Mantua in Banden
Der treue Hofer war,
In Mantua zum Tode
Führt ihn der Feinde Schar.
Es blutete der Brüder Herz,
Ganz Deutschland, ach,
In Schmach und Schmerz,
Mit ihm das Land Tirol,
Mit ihm das Land Tirol,
Mit ihm das Land Tirol,
Mit ihm das Land Tirol.
2. Strophe
Die Hände auf dem Rücken
Der Sandwirth Hofer ging
Mit ruhig festen Schritten,
Ihm schien der Tod so gering,
Der Tod, den er so manchesmal
Vom Iselberg geschickt ins Tal
Im heil´gen Land Tirol.
3. Strophe
Doch als aus Kerkergittern
Im festen Mantua
Die treuen Waffenbrüder
Die Händ´ er strecken sah,
Da rief er laut: Gott sei mit euch,
Mit dem verratnen Deutschen Reich,
Und mit dem Land Tirol.
4. Strophe
Dem Tambour will der Wirbel
Nicht unterm Schlägel vor,
Als nun der Sandwirth Hofer
Schritt durch das finstre Tor.
Der Sandwirth noch in Banden frei
Dort stand er fest auf der Bastei
Der Mann vom Land Tirol.
5. Strophe
Dort soll er niederknien,
Er sprach: das tu´ ich nit!
Will sterben, wie ich stehe,
Will sterben, wie ich stritt,
So wie ich steh´ auf dieser Schanz,
Es leb mein guter Kaiser Franz,
Mit ihm das Land Tirol!
6. Strophe
Und von der Hand die Binde
Nimmt ihm der Korporal,
Und Sandwirth Hofer betet
Alhier zum letzten Mal.
Dann ruft er: nun so trefft mich recht.
Gebt Feuer! - Ach, wie schießt ihr schlecht!
Ade, mein Land Tirol!